Aus der Kategorie: Wie verbringen unsere Kurier*innen ihre Ferien?

Mit (Lasten)Fahrrad fahren, ganz viel (Lasten)Fahrrad fahren!

Foto: Anders Hviid

Unser Lastenfahrrad – Kurier Leksi machte sich auf, die diesjährigen Meisterschaften zu erobern.

Nach insgesamt 2.500 zurückgelegten Kilometern, hatte er bei seiner Rückkehr einen zweiten Platz im Team Race beim Svajerløbet in Kopenhagen sowie den neunten Platz bei den Welt-meisterschaften in Riga (CMWC2018) im Gepäck. Gekrönt wurde dies jedoch erst am Ende der langen Reise, als er sich in Greifswald (DMFK 2018) den Deutschen Cargobike Messenger Meistertitel erkämpfte.

In diesem Jahr wies der Fahrradkurier*innen-Kalender eine Besonderheit auf, welche entsprechende Ferienziele nahezu aufgezwungen hat. Sowohl die Deutschen, Europäischen als auch die Weltmeisterschaften der Fahrradkurier*innen und eines der stärksten Cargo-Bike-Rennen in Europa waren regional sowie zeitlich so eng zueinander terminiert, dass sie sich im Rahmen einer Tour besonders gut kombinieren ließen. Die Europameisterschaft in Szczecin (ECMC2018) bleibt hierbei etwas außen vor, da sie zwei Wochen vor dem Svajerlöbet stattfand und ohnehin mit einem Kurzausflug gut erreichbar war.

Hier berichtet Leksi:

Foto: Anders Hviid

Mitte August ging es dann los. Während die Sonne vom Himmel brannte, fuhr ich mit meinem Clockwork Wonder (Bullit Cargobike) in zwei Tagen nach Kopenhagen zum Svajerløbet. Das legendäre dänische Lastenfahrrad-Rennen basiert auf dem traditionellen Svajerløb für Fahrrad-kurier*innen, der zwischen 1930 und 1960 zwischen den Kurier*innenbuden durchgeführt wurde. Nach einer Pause von über 50 Jahren gibt es das Rennen seit 2009 wieder jährlich. Dieses Jahr wurde demnach das zehnjährige Jubiläum gefeiert.

Foto: Anders Hviid

Im Halbfinale der Einzelfahrer war dieses Jahr jedoch für mich Schluss, aber im Team-Race, einer Art Staffel-Rennen, wurde ich hingegen Zweiter. Die Konkurrenz war, wie schon in den Vorjahren, extrem stark. So gewann z.B. in beiden Disziplinen der Däne Rasmus Quaade, welcher Anfang August Zweiter der Dänemark-Rundfahrt wurde und kürzlich seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat.

Nach einem dreitägigen Aufenthalt mit Rennen fahren, Feiern und etwas Entspannung ging die Reise weiter. Noch vor dem Sonnenaufgang hieß es daher Abschied nehmen von Kopenhagen, um rechtzeitig im 210 Kilometer entfernten schwedischen Karlshamn meinen Fahrwerk-Kollegen Simon zu treffen, der sich seinerseits am Vortag von Berlin aus auf den Weg machte. Gemeinsam ging es dann mit der Fähre nach Klaipeda (Litauen) und von dort aus wiederum mit dem (Lastenfahr-)Rad nach Riga zur Fahrradkurier*innen-Weltmeisterschaft. Ursprünglich waren dafür zwei Tage mit je 135 Kilometern angedacht, doch am Ende haben wir die Strecke an einem Tag durchgezogen und erreichten kurz vor Mitternacht die Stadtgrenze Rigas. Achtet doch mal, wann immer es Euch nach Riga verschlägt, auf die Ortsschilder; wir haben da nämlich etwas hinterlassen! :)

In Riga hatte ich vier Tage Aufenthalt. Jeder Tag bot ein abwechs-lungsreiches Programm mit diversen Wettbewerben als auch der obligatorischen Party am Ende eines jeden Tages. Meine Fahrwerkkollegen Simon und Paul haben dabei den Stadtkanal unsicher gemacht und in einem Wettstreit der skurrileren Art die Vizeweltmeisterschaft im Tretbootfahren errungen. Vielleicht wird das ja noch hinsichtlich der klimatischen Veränderungen sowie des drohenden Abrisses der Elsenbrücke für unser Tagesgeschäft aktuell und wir stampfen mittelfristig den Katamaran-Tarif aus dem Boden. 

Als nächstes großes Etappenziel standen die Deutschen Fahrrad-kurier*innenmeisterschaften in Greifswald auf dem Plan. In nur fünf Tagen mussten ca. 1.150 Kilometer zurückgelegt werden. Eine Route durch Kaliningrad hätte zwar fast 200 Kilometer an Weg eingespart, aber ohne Reisepass gab es eben kein Visum. Letztendlich handelte es sich dabei aber lediglich um eine zeitliche Nuance, und auch wenn Kaliningrad für mich aus mehreren Gründen (Hallo, Ihr Kantianer*innen da draußen!) besonders reizvoll gewesen wäre, bot der Umweg über Kaunas (Litauen) sowie dem Dreiländereck (RUS/LT/PL) wunderschöne landschaftliche Impressionen. Die Fahrt über die grüne Grenze und durch das hügelige Terrain kann ich wirklich nur allen ans Herz legen.

Trotz entzündeter Mandeln und eines sich auflösenden Pedallagers erreichte ich schließlich am fünften Tag gegen Abend die Hansestadt Greifswald. Wie kann Mensch sich nach derartigen intensiven Tagen am besten erholen? Mit Gerstensaft und Tanzen zu elektronischer Musik! Mensch nimmt eben, was er bekommt. Der Übergang war quasi fließend, da aber tags darauf das Qualifikationsrennen (u.a.) auf dem Programm stand, setzte irgendwann der Vernunftmodus ein und der Weg zur Unterkunft wurde eingeleitet.

Für mich als Lastenfahrradkurier ist die Teilnahme am Qualifikationslauf der Fahrräder ein gutes Training dafür, wofür ich ja eigentlich da war, nämlich das Cargobike-Rennen. Auf diese Weise kann die Strecke bereits verinnerlicht werden und im besten Falle darf Mensch vielleicht nochmal im Finallauf ran.

Das Finale habe ich dann zwar verpasst , aber da die Cargos parallel zu den Rädern gefahren sind, hätte es da eh einen gewissen Konflikt gegeben. Nach zwei Stunden, drei abgearbeiteten Manifesten und unzähligen durch die Gegend beförderten Euro-Paletten als auch Autoreifen erreichte ich das Ziel. Noch war nicht klar, welche Platzierung ich am Ende innehatte, denn Fehler auf den Manifesten können nachträglich zu Punktabzügen oder gar zur Disqualifikation führen. Nachdem aber mein größter Konkurrent Seb erst Minuten später eintraf und dann nochmals los musste, da sein letztes Manifest nicht vollständig war, kam in mir so eine leise Ahnung auf.

Spätestens auf der Sieger*innenehrung am selben Abend wurde aus der leisen Ahnung Gewissheit: Ich bin der diesjährige Deutsche Cargobike Messenger Meister!!!!!

Nach all den Strapazen und bereits 2.300 Kilometern in den Beinen hatte ich versucht nochmals alles zu geben und es am Ende geschafft. Mit einem Grinsen im Gesicht ging es am Folgetag wieder zurück nach Berlin. Es warteten die letzten 210 Kilometer, um die Tour da zu beenden, wo sie vor zweieinhalb Wochen begonnen hatte.

Für mich persönlich brachte diese Tour neben vielen schönen Erfahrungen und Interaktionen vor allem wertvolle Erkenntnisse bezüglich dessen, was in den nächsten Jahren noch ansteht. So möchte ich mich von Jahr zu Jahr im Rahmen von Lastenfahrradtouren steigern, um mein Gepäck- und Wartungsmanagement in soweit zu optimieren, dass ich irgendwann mit meinem Clockwork Wonder erfolgreich die Welt umrunden kann. Die Kurier*innenmeisterschaften sind dabei nicht Mittel zum Zweck, sondern eine Verknüpfung der Dinge, für welche ich eine besondere Leidenschaft hege.

Quo vadis 2019?

Das kommende Jahr bietet wieder viele interessante Orte, in welchen sich die Fahrradkurier*innencommunity treffen kann: Jakarta, Brüssel, Duisburg, Göteborg und viele weitere mehr…

Und auch ich werde mich wieder auf den Weg machen. Schließlich möchte ich ja meinen Meistertitel verteidigen. ;)

Leksi

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